ANTIQUARIATS-KATALOG 21

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Viele der in diesem Katalog angebotenen Titel stammen noch einmal aus der Bibliothek von Heinrich Tränker und waren bis auf wenige Ausnahmen nicht Bestandteil unseres 13. Katalogs, welcher bereits fast 1.000 Bücher aus seinem Vorbesitz enthielt.

Zu erkennen sind die Titel an dem Hinweis auf seinen Besitzerstempel.

 

Der Okkultist und Antiquar Heinrich Tränker (alias Br. Recnartus, 1880-1956) ist vor allem für sein 1922 zusammen mit Karl Germer (1885-1962) begründetes „Collegium Pansophicum“ und die Buchreihe „Pansophia“ bekannt. Die daraus entstandene pansophische Loge, in der Tradition der Rosenkreuzer, ist von den mystischen Erfahrungen einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit nicht zu trennen, denn Tränker war der Meinung, dass die Geschichte der Rosenkreuzer gleichzeitig eine Geschichte der Mystik sei.

Diese Sichtweise war für ihn eng verbunden mit den Grundlagen der Alchemie, der er in diesem Zusammenhang stets besondere Aufmerksamkeit schenkte. Er betrachtete die Transmutation der Metalle nur als eine Verwandlung im geistigen Sinne und folgerte daraus, dass alle echten Alchemisten gleichzeitig Rosenkreuzer und Sucher nach der letzten großen Naturerkenntnis waren.

 

Etwas, das die hier angeboten Alchemiewerke belegen, nicht selten sind diese von einem weiteren Vorbesitzer gekennzeichnet: Ernst Robert Petroschka, der als Fr. "Joab" seit 1926 Mitglied in Tränkers pansophischer Loge u. eine wichtige Bezugsperson für ihn war.

 

Im Sommer 1923 bekam Tränker Kontakt zu Frater Achad (d.i. Charles Robert Stansfeld Jones, 1886-1950), der als „magischer Sohn“ von Aleister Crowley gilt. Beide waren Mitglied im O.T.O. und hatten zu dieser Zeit den X° inne. Über Achad ergingen mehrere Einladungen Tränkers an Crowley, der 1925 die Einladung schließlich annahm. Er wollte in der Nachfolge von Theodor Reuss die unbesetzte Führungsposition des internationalen O.T.O. übernehmen und hoffte, dass die Deutschen ihn dabei weitreichend unterstützen würden.

Tränker, der im Vorfeld noch verkündete hatte, er könne für das „Große Werk“ in 48 Stunden 100 000 Mark beschaffen, machte, nachdem er Crowley und sein Gefolge 35 Tage lang beköstigt und beherbergt hatte, einen Rückzieher. Hinzu kommt, dass Tränker erst wenige Tage vor dem Besuch die extra angefertigte Übersetzung des „Liber Al Vel Legis“ von Crowley gelesen hatte und von der dämonischen Besessenheit der beiden letzten Teile entsetzt war. So scheiterten Crowleys finanzielle Forderungen und seine Weltheilandspläne bei der sogenannten „Weida-Konferenz“.

Was dazu führte, das sich die pansophische Loge in Berlin spaltete. Eugen Grosche alias Gregor A. Gregorius (ca. 1888-1964) gründete mit einem großen Teil ihrer Mitglieder 1926 die magisch-okkulte Loge „Fraternitas Saturni“, die wie der O.T.O., das thelemitische Gesetz ("Tue, was du willst") von Aleister Crowley übernahm.

Die vermeintliche Geldquelle, auf die Crowley gehofft hatte, war Tränkers wertvolle Büchersammlung, die er kurz nach dem Bruch in großen Teilen an das bekannte Antiquariat Theodor Ackermann in München verkaufte. Die Bände wurden 1926-1928 ohne Tränkers Namen zu nennen in den bis heute geschätzten fünf Katalogen 594-97 und 599 angeboten (nur der kleinere Teil der dort angeboten Titel stammt aus den Sammlungen von Richard Wedel und Gabriel von Max).

 

Tränkers Pansophie entwickelte sich trotz des Bruchs weiter, sie kam erst mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten zum Erliegen. Nach dem Weltkrieg versuche er die Bewegung wieder aufzubauen und fand einen begeisterten Anhänger in Walter Studinski alias Waltharius (1905-1995). Doch Tränker war mittlerweile alt geworden, an Demenz erkrankt starb er am 22.5.1956 in Berlin. Als noch weitere Protagonisten verstarben, ging mit ihnen auch die Pansophische Bewegung zu Ende.

 

(Diese kurze Zusammenfassung basiert auf der ausführlichen Biographie: Heinrich Tränker als Theosoph, Rosenkreuzer und Pansoph. Von Volker Lechler unter Mitarbeit von Wolfgang Kistemann. Stuttgart, Selbstverlag 2013. Siehe www.magie.de).